Echtes Kaschmir erkennen: 5 Tipps mit denen Sie Fälschungen entlarven können

Um echtes Kaschmir erkennen zu können braucht es ein geübtes Auge, Fachwissen und vielleicht diesen Artikel. Kaschmir ist aufgrund des unvergleichbaren Tragekomforts und der Qualität der Naturfasern ein besonders begehrtes Produkt im Luxussegment. Um dieser Beliebtheit gerecht zu werden, gibt es mittlerweile aber leider auch immer mehr Fälschungen der wertvollen Kaschmirfaser. Echtes Kaschmir erkennen ist aber mit einem Blick auf ein paar Details, wenigstens bis zu einem gewissen Grad möglich. Worauf Sie also beim nächsten Kaschmirkauf achten sollten, zeigen wir Ihnen hier.

Wie Sie echtes Kaschmir erkennen können

Wie erkennen Sie nun, ob der Kaschmir Pullover Ihrer Träume tatsächlich echt ist? Vorweg ist zu sagen, dass es Expertenwissen und ein Rasterelektronenmikroskop braucht, um klar erkennen zu können ob andere Stoffe beigemischt wurden, oder ob es sich um 100% Kaschmir handelt. Durch den Preis alleine kann jedenfalls nicht pauschal erkannt werden ob das vorliegende Textil aus reinem Kaschmir ist. Zu niedrige Preise können allerdings stutzig machen und sollten zum Nachdenken anregen. Preise für Kaschmir werden in Kilogramm gerechnet und sind im Internet ersichtlich. Dies kann zumindest eine gute erste Orientierung bieten. Hinzu kommen natürlich noch vielfältige Kosten für Produktion, Logistik und Verkauf.

1.) Unter dem Mikroskop sind Beimischungen zu erkennen 

Auch unter dem Mikroskop ist nur erkennbar, ob die Faser mit anderen synthetischen Materialien gemischt wurde. Wollfasern wie Yak oder Merino haben die gleiche Struktur wie Kaschmir, was unter dem Mikroskop folglich auch nur schwer erkennbar ist. Der Blick ins Mikroskop gibt am meisten Aufschluss darüber, welches Textil genau wir in der Hand halten, genügt aber auch nicht um eindeutig sagen zu können, ob es sich bei einem Textil um pures Cashmere handelt.

Nahaufnahme von verschiedenen Objektiven eines Mikroskops.

Wieso es so viele Mischungen aus Kaschmir und anderen Textilien gibt ist ganz einfach. Die Herstellung eines Kleidungsstückes aus Kaschmir kostet deutlich weniger, wenn andere Wollsorten untergemischt werden. Dieser Tick wird vor allem bei der Massenherstellung angewandt. Damit keine Unterschiede erkennbar sind, wird die Fasermischung teils sogar chemisch verändert. Mithilfe eines Enzyms werden die markanten Schuppenspitzen der beigemischten Faser geglättet, sodass sie im Endergebnis ebenso glatt ist, wie dies bei reiner Kaschmirfaser von Natur aus der Fall ist. 

2.) Das Etikett zeigt auf den ersten Blick was drinnen ist

Bereits ein Blick auf das Etikett gibt Aufschluss darüber, ob es sich um eine Mischung, oder um reines Cashmere handelt. Der Hersteller ist dazu verpflichtet die Faserzusammensetzung korrekt auszuweisen. Die Textilverordnung 1007/2011 beschloss in Bezug auf Kaschmirwolle, eine einheitliche Richtlinie festzulegen, nach derer sich die Bezeichnung von Kaschmirprodukten an genaue Vorgaben halten muss.

  • Ab 14,5% Kaschmiranteil, darf ein Kaschmir Schal beispielsweise ein Etikett mit der Aufschrift „mit Kaschmiranteil“ aufweisen.
  • Die Bezeichnung „Kaschmir“ sollten Sie in jedem Fall genau unter die Lupe nehmen. Denn bereits ab 85% enthaltenem Kaschmir darf ein Kleidungsstück als Kaschmir betitelt werden.
  • Als „100% Kaschmir" bzw. "Reines Kaschmir“ sind lediglich Textilien  auszuweisen, die zu 100% aus Kaschmir hergestellt sind.

Kaschmirziegen in ihrem natürlichen Lebensumfeld

3.) Echtes Kaschmir ist schwer entflammbar 

Mit einem Brenntest können Sie ebenso überprüfen wie hochwertig der Kaschmir Schal ist, den Sie sich gerade gekauft haben. Keine Panik! Dabei müssen sie ihn natürlich nicht anzünden. Es genügt ein kleines bisschen Faser aus dem Saum zu zupfen und sie anzuzünden.

  • Echtes Kaschmir brennt relativ schnell und riecht intensiv nach verbranntem Haar. Die entstehenden Rückstände lassen sich leicht zwischen den Fingern verreiben.
  • Polyester hingegen brennt sehr schnell und entfacht eine große und helle Flamme.
  • Viskose wiederum erinnert dem Geruch nach an verbranntes Papier.
  • Kunstfaser hinterlässt beim Verbrennen kleine Rückstände.
Mit diesem kleinen Experiment ist zumindest erkennbar, ob ein hoher Kunststoffanteil in den Fasern steckt.

Graues Feuerzeug mit hoher Flamme.

4.) Achten Sie darauf, ob Ihr Kaschmirpullover gleichmäßig gefärbt ist

Wie wir in unserem Artikel „Kaschmir – Eigenschaften und Gewinnung der Edelwolle“ beschrieben haben, lässt auch die Farbe eines Kaschmir Schals erkennen, ob es sich um ein hochwertiges Kaschmirprodukt handelt. Die Fasern des fertigen Kleidungsstücks sollten innen und außen die gleiche Farbe aufweisen. Ist dies nicht der Fall, lässt sich vermuten, dass der Stoff erst nach der Verarbeitung gefärbt wurde, was in der Regel ein Zeichen für eine billigere Produktion ist.

Nahaufnahme eines gleichmäßig gefärbten Kaschmirstoffes in Bernstein.

5.) Enge Maschen sind ein Indiz für Qualität

Für diejenigen mit einem geübten Auge, bietet es sich an einen genauen Blick auf die Struktur zu werfen. Hochwertige Kaschmirtextilien sollten tendenziell eine sehr engmaschige Struktur aufweisen. Engmaschiger Stoff ist somit bereits ein guter Anhaltspunkt, aber auch hier gilt: ob es sich bei dem vorliegenden Kleidungsstück um Kaschmir oder andere Wolle handelt, ist mit dem bloße Auge nicht erkennbar.

Ebenso kann man den Stoff vorsichtig auseinander ziehen – hochwertiges Kaschmir kehrt auch nach einer Ausdehnung wieder in die ursprüngliche Form zurück, während Kaschmir von geringer Qualität ausgedehnt bleibt.

Gute Qualität der Kaschmirfasern zeigt sich auch dadurch, dass sie lang, hell, leicht gekraust und sehr fein sind. Für die weitere Verarbeitung werden dabei nur Fasern mit einer Länge von über 35 mm verwendet. Je länger die Fasern, desto geringer ist grundsätzlich auch das Pilling. In unserem Pflegeartikel "Kaschmir entfusseln - Der Kaschmir Kamm als letzte Rettung" können Sie alles rund um das Thema Pilling lesen.

Nahaufnahme des Musters einer grauen Kaschmirdecke.

Was ist echtes Kaschmir?

Unter den Edelwollen wird grob zwischen der klassischen Wolle vom Schaf und den Edelhaaren von Kaschmirziege, Kamel, Alpaka, Yak und Vicuña unterschieden. Die Edelhaare vereint die Schuppenkantenhöhe, die im Vergleich zur Wolle nur rund halb so hoch ist. Die Schuppen der Tierhaare unterschieden sich außerdem noch in der Anzahl der Schuppen je Längeneinheit und der Charakteristik. Edelwolle fühlt sich deshalb bei gleichem Durchmesser weicher und glatter an als herkömmliche Wolle.

Echtes Kaschmir kratzt nicht auf der Haut. Die feinen Fasern verhindern ein unangenehmes und irritierendes Hautgefühl, auch bei direktem Kontakt. So lässt sich ein Kaschmir Pulli auch sehr angenehm ohne einer extra Schicht zwischen Pulli und Haut tragen. Wolle, synthetische Stoffe oder gefälschtes Kaschmir können ein irritierendes Gefühl beim Tragen auf der Haut hinterlassen.

Der Begriff „Kaschwool“ wird verwendet um modifizierte Wolle zu beschreiben, die chloriert und in weiteren Prozessen chemisch behandelt wird, um echtes Kaschmir nachzuempfinden.

Der Begriff Pashmina sorgt immer wieder für Verwirrung. Das Wort stammt ursprünglich aus dem persischen und lässt sich als „Wolle“ oder als „aus Wolle gefertigter Schal“ übersetzen. Ursprünglich ist es eine Bezeichnung für ein aus Kaschmir oder auch aus einer Kaschmir-Seide Mischung gefertigtes Tuch, das ca. 70 cm breit ist und traditionell gewoben wird. Mittlerweile werden die berühmten Pashmina Schals aus unterschiedlichen Materialien hergestellt.

Somit ist der Begriff Pashmina eigentlich nur eine Handelsbezeichnung und nicht, wie viele annehmen, eine Materialbezeichnung. Es gibt auch keine Pashminaziegen aus deren Wolle das Textil hergestellt werden könnte. In Teilen Asiens ist der Begriff "Pashmina" jedoch als Synonym für Kaschmir sehr gebräuchlich.

 

     

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