Grobe Strickwolle liegt neben einem Stück feinem, weichem Kaschmir.

Wolle kratzt: Woran es liegt und was wirklich hilft

Warum manche Wolle juckt und andere nicht, liegt vor allem an der Dicke der Fasern. Hier lesen Sie, was gegen kratzende Wolle hilft und welche Fasern weich sind.

Von Andreas De Martini Veröffentlicht am

Kurz gesagt: Wolle kratzt vor allem dann, wenn ihre Fasern zu dick sind. Grobe Fasern geben nicht nach, sondern stechen leicht in die Haut. Am meisten helfen ein Shirt darunter, sanftes Waschen mit Wollwaschmittel und von Anfang an feine Fasern wie Kaschmir.

Wolle hält warm, nimmt wenig Gerüche an und fühlt sich gemütlich an. Trotzdem bleibt mancher Pullover im Schrank, weil er am Hals oder an den Armen juckt. Das liegt selten an der Wolle an sich, sondern an der Art und Feinheit der Faser.

Hier lesen Sie, woher das Kratzen kommt und was Sie dagegen tun können. Sie erfahren auch, wann ein Pullover nicht mehr weicher wird und welche Fasern sich von Anfang an weich anfühlen.

Warum Wolle kratzt: die Dicke der Faser

Ob eine Wolle kratzt, hängt vor allem davon ab, wie dick ihre Fasern sind. Die Dicke wird in Mikron gemessen, ein menschliches Haar ist etwa 100 Mikron dick. Je kleiner die Zahl, desto feiner und weicher die Faser.

Feine Fasern sind biegsam und geben nach, wenn sie die Haut berühren. Dicke Fasern sind steifer, ihre Enden stechen leicht in die Haut. Das spüren Sie als Kribbeln oder Jucken.

Grobe Schafwolle, wie sie für robuste Strickjacken oder Teppiche verwendet wird, hat deutlich dickere Fasern als feine Sorten. Kaschmir liegt bei etwa 14 bis 19 Mikron und gehört damit zu den feinsten Tierfasern. Wie die einzelnen Fasern im Vergleich abschneiden, zeigt unsere Übersicht Edle Fasern im Vergleich.

Wenn nicht die Wolle kratzt

Manchmal ist feinem Material gröbere Wolle beigemischt. Ein Blick auf das Etikett hilft, dort stehen die Anteile der einzelnen Fasern. Woran Sie guten Kaschmir erkennen, lesen Sie in Woran erkenne ich guten Kaschmir?

Oft kratzt auch gar nicht der Strick selbst. Ein steifes Etikett im Nacken oder eine harte Naht reibt bei jeder Bewegung. Gerade am Hals ist das schnell unangenehm.

Ein störendes Etikett können Sie vorsichtig an der Naht abtrennen. Fotografieren Sie die Pflegezeichen vorher ab, damit Sie später noch wissen, wie das Stück gewaschen wird. Was die Zeichen bedeuten, steht in Waschsymbole erklärt.

Empfindliche Haut

Wie stark Sie das Kratzen spüren, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Am Hals, im Nacken und an den Innenseiten der Arme ist die Haut dünner und reagiert schneller. Auch trockene Haut, wie sie im Winter häufig vorkommt, ist oft empfindlicher.

Eine echte Allergie gegen Wolle ist selten. Meist ist das Jucken eine Reizung der Haut durch die Fasern. Manche Menschen reagieren auch auf das Wollfett Lanolin, das in naturbelassener Schafwolle steckt.

Wird die Haut rot, bilden sich Bläschen oder hält das Jucken nach dem Ausziehen lange an, fragen Sie besser in einer Hautarztpraxis nach. Dieser Artikel ersetzt keinen ärztlichen Rat.

Was sofort hilft: eine Schicht darunter

Am einfachsten ist eine dünne Schicht zwischen Haut und Wolle. Ein Shirt aus Baumwolle oder Seide mit langem Arm schützt die Arme. Ein Rollkragen darunter hilft, wenn vor allem der Hals juckt.

Ein Baumwollshirt schaut am Ausschnitt unter einem Pullover hervor.

Achten Sie darauf, dass das Shirt am Ausschnitt etwas höher sitzt als der Pullover. Dann liegt der Strick nirgends direkt auf der Haut. So können Sie auch einen gröberen Pullover weiter tragen.

Weicher durch richtiges Waschen

Ein Wollpullover fühlt sich nach einer sanften Wäsche oft angenehmer an. Falsches Waschen bewirkt dagegen das Gegenteil, denn verfilzte Wolle wird hart und dicht. Diese Punkte sind wichtig:

  • Wollwaschmittel: Nehmen Sie ein Waschmittel für Naturhaar-Fasern, es wirkt rückfettend und schont die Faser. Shampoo ist immer noch besser als herkömmliches Waschmittel.
  • Nicht zu heiß: Waschen Sie höchstens bei 30 °C im Wollprogramm und mit der niedrigsten Schleuderstufe. Zu warmes Wasser und viel Bewegung lassen Wolle verfilzen.
  • Kein Weichspüler: Er greift feine Tierfasern an. Ein Wollwaschmittel pflegt die Faser bereits.
  • Nicht reiben: Auch bei der Handwäsche das Stück nur sanft im Wasser bewegen.
  • Liegend trocknen: Legen Sie den Pullover an der Luft auf ein Handtuch, nicht maschinell trocknen.

Ein Wollpullover wird im Waschbecken sanft von Hand gewaschen, ohne zu reiben.

Alle Schritte im Einzelnen finden Sie in Wolle waschen. Für Kaschmir haben wir ein eigenes Kaschmir Waschmittel.

Hausmittel: Haarspülung im Spülwasser

Ein bekanntes Hausmittel ist ein kleiner Schuss Haarspülung im letzten Spülwasser. Die Spülung legt sich um die Fasern und kann sie geschmeidiger machen. Am besten eignet sich das für die Handwäsche.

  1. Waschen Sie den Pullover wie gewohnt mit Wollwaschmittel in lauwarmem Wasser.
  2. Verteilen Sie einen kleinen Schuss Haarspülung in einer Schüssel mit lauwarmem Wasser.
  3. Lassen Sie den Pullover einige Minuten darin liegen, ohne zu reiben.
  4. Spülen Sie kurz mit klarem Wasser nach und drücken Sie das Wasser in einem Handtuch aus.
  5. Lassen Sie den Pullover liegend an der Luft trocknen.

Probieren Sie das Hausmittel zuerst an einem Stück, an dem Ihr Herz nicht so sehr hängt. Bei Kaschmir reicht in der Regel ein gutes Waschmittel für Naturhaar-Fasern.

Wann es nicht besser wird

Waschen und Pflegen können einen Pullover angenehmer machen. Die Dicke der Fasern ändern sie aber nicht. Eine grobe Wolle bleibt grob, auch nach vielen Wäschen.

Auch verfilzte Stücke werden durch Waschen kaum wieder weich. Wenn ein Pullover trotz Shirt weiter juckt, tragen Sie ihn lieber als äußere Schicht über einer Bluse oder einem Hemd. Oder Sie greifen beim nächsten Kauf zu einer feineren Faser.

Weiche Alternativen: Kaschmir und feine Merinowolle

Bei empfindlicher Haut sind sehr feine Fasern die beste Wahl. Kaschmir gehört mit etwa 14 bis 19 Mikron zu den weichsten Tierfasern. Er ist leicht, wärmt gut und fühlt sich auch direkt auf der Haut angenehm an.

Feine Merinowolle ist eine robuste und günstigere Alternative. Sie kratzt kaum, ist aber meist etwas gröber als Kaschmir. Auch Baby Alpaka ist weich, gröbere Alpakawolle kann dagegen kratzen.

Pullover aus Kaschmir finden Sie in unserer Kollektion Kaschmir Pullover. Wie sie lange weich bleiben, steht in unserer Übersicht zur Kaschmir Pflege.

Häufige Fragen

Warum kratzt mein neuer Pullover?

Meist sind die Fasern zu dick oder es ist gröbere Wolle beigemischt. Auch ein steifes Etikett oder eine harte Naht kann der Grund sein.

Kratzt Kaschmir?

Feiner Kaschmir kratzt in der Regel nicht, weil seine Fasern sehr dünn sind. Sehr empfindliche Haut kann trotzdem auf jede Faser reagieren.

Hilft Weichspüler gegen kratzende Wolle?

Nein, Weichspüler greift feine Tierfasern an. Nehmen Sie lieber ein Waschmittel für Naturhaar-Fasern.

Bin ich allergisch gegen Wolle?

Eine echte Allergie ist selten, meist reizen die Fasern nur die Haut. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden fragen Sie in einer Hautarztpraxis nach.

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