Nepal ist wild, bunt und unglaublich schön. Es ist ein Land mit endlosen Bergen, unendlich vielen Tälern und einer Kultur, deren Magie einen sofort in ihren Bann zieht. Und es ist das Land, in dem unsere Kaschmirwaren ihren Ursprung haben. Alle paar Monate zieht es uns deshalb zurück an den Ort, an dem alles begann. Dort besuchen wir unsere Hersteller-Familien, überprüfen die Produktion und tüfteln gemeinsam an neuen Ideen. Zuletzt haben wir Prakash getroffen – er ist 29 Jahre alt und betreibt einen Strickbetrieb in Kathmandutal. Aber ganz von vorne…

Eine Reise durch die Zeit

Österreich und Nepal trennen nur etwa zehn Flugstunden – und doch hat man das Gefühl in der Zeit zurück zu reisen

Schnell eine E-Mail schreiben, einen Skype-Termin vereinbaren oder ein kurzes Telefonat führen? Mit unseren Partnern in Nepal funktioniert das nicht so einfach. Während in unserer Welt Emotionen über Emojis ausgedrückt werden, ein Telefonat bereits persönlich genug ist und am liebsten sowieso auf E-Mails ausgewichen wird, herrscht in Nepal noch ein ursprünglicheres Verständnis von Kommunikation. Deshalb ist es umso wichtiger, regelmäßig unsere drei Partnerbetriebe in Nepal zu besuchen. Doch was das Internet in wenigen Minuten erledigt, bedeutet für uns eine zehnstündige Reise in einem ruckelnden Flugzeug über die Kontinente dieser Welt. Los geht es in Wien, mit Zwischenstop im fernen Dubai, bis wir endlich auf der holprigen Landebahn in Kathmandu aufsetzen.

Namaste Kathmandu!

Kathmandu liegt im Zentrum des dicht besiedelten Kathmandutals – zusammen mit den benachbarten Städten ballen sich mehr als 2,5 Millionen Einwohner in dem von mächtigen Bergen umgebenen Talkessel. Kaum angekommen, tauchen wir direkt in das laute, bunte und hektische Treiben der Stadt ein. Unsere Unterkunft liegt in der Nähe des touristischen Zentrums in Thamel. Von dort aus besuchen wir die Hersteller unserer Produkte, die über das ganze Kathmandutal verteilt sind.

kathmandu nepal
Rund zwei Tage auf unbefestigten Straßen dauert der Weg von Kathmandu bis nach Mustang

In dem Tal gibt es zahlreiche Betriebe, die sich auf die Arbeit mit Kaschmirwolle spezialisiert haben und meist etwas abgelegen an den Rändern von Kathmandutal zu finden sind. Die beste Kaschmirwolle kommt traditionell aus dem entlegenen Gebiet des ehemaligen nepalesischen Königreichs Mustang.

Einen Experten auf jedem Gebiet

Da unsere Produkte, je nach Typ, in vielen unterschiedlichen Arbeitsschritten entstehen, arbeiten wir mit drei verschiedenen, mit bedacht ausgewählten Familienbetrieben. Alle drei sind kleine und traditionelle Hersteller feinster Kaschmirwaren. Das erste Unternehmen betreibt ausschließlich feine Handweberei, während das Zweite, Experte für Stickereiwaren ist und unser Dritter und neuester Partner, hat sich auf die Fertigung durch Maschinenweben spezialisiert.

Nepalesischer Perfektionismus

Seit seiner Jugend arbeitet Prakash in dem familiären Strickbetrieb. Prakash ist 29 und – wie in Nepal in diesem Alter üblich – längst verheiratet sowie Vater von zwei Kindern. Nach seinem Textilstudium mit Schwerpunkt auf Edelwolle und Kaschmir hat er den Betrieb seiner Eltern übernommen. Dort arbeitet er voller Leidenschaft mit der Wolle der Chyangra – das ist nepalesisch und bedeutet Kaschmirziege.

“Nothing is more important than the quality of our products.”

Für Prakash steht die Qualität der Produkte an oberster Stelle. Aus diesem Grund setzt er sich seit einigen Jahren aktiv in einer Industrievereinigung ein, die die Qualität des nepalesischen Kaschmirs langfristig sichern möchte. Dass immer häufiger qualitativ minderwertige Kaschmirprodukte zu günstigen Preisen an Touristen verkauft werden, erfüllt ihn mit Sorge, denn es wirft ein schlechtes Licht auf sein Land. Prakash wünscht sich, dass strenger darauf geachtet wird, ob Produkte, die als “100% Kaschmir” verkauft werden, auch wirklich aus reinem Kaschmir bestehen.

Diese Hingabe für die Kaschmirwolle findet sich auch in Prakash Arbeitsweise wieder. Er arbeitet so lange an einem Produkt, bis er damit vollkommen zufrieden ist. Solch einen Perfektionismus findet man in Nepal nur selten – und genau das macht die Zusammenarbeit mit Prakash so einzigartig. Sein Ansporn ist es, eines Tages in ganz Nepal als führender Kaschmirexperte angesehen zu werden – für uns ist er es schon jetzt.

Bye, bye Terminkalender

Für die nächsten Tage haben wir zwar Treffen in Prakash Zuhause (und gleichzeitig auch Arbeitsplatz) vereinbart, doch genaue Termine und Vorausplanung müssen wir uns für die Zeit vor Ort abgewöhnen. Die Arbeitsweisen in Österreich und Nepal könnten kaum unterschiedlicher sein: Dort wird grundsätzlich zuerst das erledigt, was in dem Moment am wichtigsten erscheint, bevor das nächste Problem angegangen wird. Gerade bei der Entwicklung von Samples – das bedeutet, wenn wir mit Designentwürfen anreisen und über mehrere Arbeitsschritte an einem Musterteil arbeiten – kann das spannend werden und sich über Monate hinziehen.

In der Freizeit Kraft schöpfen bei Boudhanath

Nepal stupa flags
Jede Farbe der buddhistischen Gebetsfahnen steht für ein anderes Element – Blau für den Himmel, Weiß für die Luft, Rot für das Feuer, Grün für das Wasser und Gelb für die Erde

Ein Besuch in Boudhanath darf für uns auf keiner Reise nach Nepal fehlen. Boudhanath ist ein wahrlich himmlischer Ort im Nordosten von Kathmandu, eine Ruheinsel und ein Platz des Friedens inmitten des hektischen Treibens der Stadt. Bekannt ist Boudhanath durch die große Stupa, die seit Jahrhunderten buddhistische Pilger aus aller Welt anlockt. Das mächtige Bauwerk, das mit tausenden im Wind flatternden Gebetsfahnen geschmückt ist, verleiht dem Ort eine einzigartige und magische Atmosphäre.

Momo, Ausblicke und echte Geheimtipps

An einem freien Tag zieht es uns raus in die Berglandschaft, die Kathmandutal begrenzt. Von dort aus eröffnet sich ein unglaublicher Blick über das gesamte Valley und am Horizont lässt sich – bei gutem Wetter – sogar der ein oder andere Achttausender bestaunen. An keinem anderen Ort der Welt können wir besser durchatmen, unsere Gedanken schweifen lassen und einfach nur zur Ruhe kommen.

Ein weiteres Highlight auf jeder Nepalreise ist die traditionelle nepalesische Küche. Wie so viele Dinge ist auch die Esskultur in Nepal noch ein wenig ursprünglicher als wir es aus der Heimat gewohnt sind. So ist Fleisch für Nepalesen etwas besonderes und wird deshalb auch seltener und bewusster konsumiert. Daher kann sich auch die vegetarische Küche sehen lassen – sie ist facettenreich, gesund und absolut köstlich. Das Hauptnahrungsmittel für Touristen sind “Momo” – kleine gedämpfte oder gebratene Teigtaschen gefüllt mit Gemüse, Huhn oder – traditionellerweise – mit Wasserbüffel.

Nach zehn Tagen voller bunter Eindrücke und Erlebnisse, fleißiger Arbeitsstunden und köstlichem Essen steigen wir erschöpft und zufrieden in den Flieger nach Österreich und lassen die Kaschmirziegen, die mächtigen Gebirge und die magische Kultur des Landes mit schwerem Herzen hinter uns – zumindest für’s erste…

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