Ungezähmte, wilde Zügellosigkeit auf der einen Seite, friedlich-sanftes Flackern auf der anderen: das Wesen des Feuers fasziniert den Menschen seit jeher. In fast allen Mythen und Religionen der Welt nimmt das Element Feuer einen zentralen Stellenwert ein. Doch auch unabhängig der verschiedenen Konfessionen ist es eine unerschöpfliche Quelle der Faszination, die uns in ihren Bann zu ziehen vermag.

Child and lights

Die sinnbildliche Wirkkraft und fesselnde Ästhetik des Feuers macht es zu einem wichtigen Bestandteil unzähliger kultureller Ereignisse. Gerade dann, wenn es gilt, die großen Feste zu feiern, kommen Schönheit und Symbolik dieses Elements auf ganzer Linie zu Tragen. Mit dem vorliegenden Beitrag zur Reihe „Elemente der Welt“ wollen wir der Faszination Feuer nachgehen und sehen, wann und wo die Welt besonders schön leuchtet.

Diwali – das Lichterfest im Süden Asiens

Diwali (auch Deepavali) ist eines der bedeutendsten hinduistischen Feste, das jährlich bis zu fünf Tage lang im Zeichen des Lichts stattfindet, das sich über die Dunkelheit erhebt. Der Tradition nach meint dies zugleich einen Sieg des ‚Guten‘ über das ‚Böse‘. Dieser zugrundliegenden Metaphorik wird Ausdruck verliehen, indem Familien ihre Häuser mit zahlreichen Lichtern schmücken und sie hell beleuchten. Ganze Städte in Indien, Nepal, Sri Lanka und anderen hinduistischen Ländern verwandeln sich auf diese Weise in einen bunten Lichtertraum. Überall werden Kerzen und Öllampen aufgestellt, die, so sagt man, den Toten den Weg leuchten sollen.

woman carrying a candle at Diwali

Je nach Glaubensrichtung divergieren auch die jeweiligen Bräuche und mythologischen Bezüge leicht. Einigen Überlieferungen zufolge besucht Lakshmi (die hinduistische Göttin des Glücks und des Wohlstands) nur die besonders gut beleuchteten Häuser, weswegen man den Lichtern hier besondere Aufmerksamkeit schenkt. Das Fest findet jeweils am 15. des Monats Kartik (nach dem hinduistischen Lunisolarkalender) statt.

Jambay Lhakhang Drup – das Feuer Bhutans

In Bumthang, dem Norden Bhutans, findet jährlich das sogenannte Jambay Lhakhang Drup statt. Es ist bekannt als ein heiliges Fest des Feuers. Im Oktober wird es zu Ehren des Gurus Rimpoche ausgetragen, der einst den Buddhismus nach Bhutan gebracht haben soll. Zudem würdigt man der Errichtung und Fertigstellung des Tempels Jambay Lhakhang im 7. Jahrhundert. Zahlreiche Zeremonien, die in bunten Kleidern und Masken begangen werden, rituelle Tänze und ausgelassene Feierlichkeiten beleben fünf Tage lang den Tempel und seine Umgebung.

Man dancing, wearing a dragon-mask, Bhutan
Photo by Ujwal Hollica

Der feierliche Höhepunkt des buddhistischen Festes ist eine fulminante Feuerzeremonie nach Einbruch der Dunkelheit. Ein überdimensionaler Feuerbogen – eine Konstruktion aus Ästen und Blättern – soll der Vertreibung des Bösen dienen. Das Durchqueren des flammenden Tores kommt gemäß der Tradition einer rituellen Reinigung gleich und bringt Glück und Erfolg für das kommende Jahr. Menschen aus allen Regionen strömen zu dieser Zeit nach Bumthang, um dem einzigartigen Spektakel beizuwohnen.

Las fiestas de España – Feurige Feste Spaniens

In ganz anderer Weise, aber nicht minder anregend, gestalten sich viele der feurig-bunten Feste in Spanien. Wohl am bekanntesten ist das im Frühling stattfindende Las Fallas Festival in der bezaubernden Stadt Valencia.

Valencia Panorama Picture

Die Ursprünge dieses mehrtägigen Festes liegen im 18. Jahrhundert. Zimmerleute sollen damals alte Holzgestelle verbrannt haben, die ihnen für den Frühling unnütz wurden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein Fest im Namen ihres Schutzpatrons San Jose, das nun jährlich Mitte März gefeiert wird. Dabei etablierte sich über die Jahre ein großes Wetteifern zwischen KünstlerInnen und HandwerkerInnen der unterschiedlichen Stadtviertel Valencias. Riesenhafte Figuren aus Pappmache, Holz oder Gips werden aufwendig und über einen teils langen Zeitraum hinweg angefertigt, um im Zuge der Festlichkeiten feierlich verbrannt zu werden. Es sind oft haushohe, farbenfrohe Karikaturen und Skulpuren, die sich verschiedener, oft auch politischer Themen annehmen.

Falla-figure at night, Valencia

Neben dem Anzünden der Fallas sind auch die herausragenden Feuerwerke charakteristisch für diese schier endlosen Tage und Nächte des Hedonismus. Täglich versetzen laute Knall- und bunte Leuchtfeuerwerke das Herz in einen lebendigen Rhythmus.

colorful fireworks

Jeden August feiert auch Bilbao, die baskische Hauptstadt im spanischen Norden, eine Parade der großen und größten Feuerspektakel. Das Aste Nagusia, so der Name des Fests, versetzt die ganze Stadt für insgesamt neun Tage in einen freudigen Ausnahmezustand. Das rauschende Fest voll Kunst- und Musik-Darbietungen nach baskischer Tradition findet seinen täglichen Abschluss in einem spektakulären Belichten des nächtlichen Himmels. Feuerraketen (genannt Txupinazos) und filmreife Feuerwerke zeichnen die buntesten Bilder in das Firmament.

Laternenfeste – Lichter zu Wasser und Himmel

Eines der eindrucksvollsten Feste des Feuers feiert man in Thailand: das sogenannte Loi Krathong ist ein traditionelles Volksfest, das symbolisch für Neubeginn, Loslassen und Dankbarkeit steht. Stets im November werden zu diesem Zweck allerorts tausende leuchtende Miniatur-Flöße zu Wasser gelassen. Flüsse, Seen Kanäle werden durch die auf den Flößen angebrachten Kerzen und Räucherstäbchen in ein (sprich-)wörtliches Lichtermeer verwandelt.

thousands of lights

In Chiang Mai trägt das Fest den Namen Yi Peng und wird insgesamt drei Tage lang zelebriert. Hier entlässt man zudem unzählige Papierlaternen in die Luft und bringt damit den Himmel zum Leuchten.

Lampion at night, Hoi An
Photo by Vincent Guth

Eine ganz ähnliche Symbolik liegt auch den Vollmondfesten in Hoi An zugrunde. Die kleine Küstenstadt in Zentralvietnam ist berühmt-berüchtigt für ihre farbenprächtigen Lampions und kunstvollen Laternen. Die Altstadt Hoi Ans hat den Vietnamkrieg als einzige beinahe unversehrt überdauert und gehört seit 1999 zum Weltkulturerbe.

colorful lampions

Immer am 14. Tag des Mondmonats wird, wo möglich, das elektrische Licht gelöscht, um die Aufmerksamkeit ganz auf den Thu Bon Fluss zu lenken. Dieser durchfließt die Altstadt Hoi Ans und mündet direkt ins Chinesische Meer. Traditionell übergibt man dem Wasser sodann bunte, brennende Lampions, welche die Wünsche jener Menschen erfüllen sollen, die sie losschicken.

River in Hoi An by night
Photo by Ha Jang

Näheres zu Loi Kratong: https://urlaub-in-thailand.com/november-das-lichterfestival-loi-krathong/

Empfehlung Dokumentation: “Bildschöne Welt” (Netflix). U.a. über Richard I’Anson. Der Reisefotograf besucht das Jambay Lhakhang Drup und gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Mehr zu Diwali: https://www.id-reisewelt.de/indien/feiertage-und-feste/Diwali/

Daten:

  • Diwali: 7.11-2018
  • Jambay Lhakhang Drup: 24.-27.10.2018
  • Las Fallas: jährlich von 15.-19.03.
  • Aste Nagusa: 18.-26.8.2018
  • Loi Krathong: 23.11.2018
  • die nächsten Vollmondfeste in Hoi An: 27.06.2018, 26.07.2018, 24.08.2018, 23.09.2018 (u.m.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.